April 2009



Ende Roche Harbor und auf nach Port Townsend

Leinen los und auf geht’s … zur Arbeit nach Port Townsend. Nachdem ich die verschiedensten Marina's in der näheren und weiteren Umgebung, natürlich nur per Telefon, abgeklappert hatte, viel der Entscheid ganz klar zugunsten der Port Townsend Boat Haven Marina. Sie versprach eine perfekte Infrastruktur für Fischer und Boaters, einen grossen Boatyard mit 240 Volt Anschlussmöglichkeit und sehr, sehr wichtig für uns …, wir durften selber am Boot arbeiten und darauf wohnen.

Easter Bunny and Miss Carrot.


Der Park ist voll belegt
mit Ostereier.
Das Gedrängeauf dem
Rasen war riesengross.

SY Milli J / USA
Alaine und Rich
SY Finte / Deutschland
Eva und Hans

SY Talisman / USA
Diane und Dean
Inzwischen waren alle bestellten Ersatzteile bei uns eingetroffen. Mit einigen Firmen klappte es sehr gut und bei einigen mussten wir doch recht nachhelfen und waren bis zum Schluss nicht sicher, ob die Teile dann rechtzeitig zugestellt würden. Eigentlich eine Situation wie im „normalen Alltag“ auch. Unser Alltag unterscheidet sich, jedenfalls hier im Süden von British Columbia, ja auch nicht gross von einem gewöhnlichen. Was wir momentan hier erleben, könnte genauso gut auf dem Neuenburgersee stattfinden. Klar nur beinahe, die Mentalität der Kanadier und die Szenerie hier unterscheiden sich schon. Ich meine damit eigentlich ja auch nur, dass wir momentan nichts Aussergewöhnliches und Spektakuläres erleben.

Nachdem die traditionelle Ostereiersuche, organisiert vom Marinaressort, unter grosser Anteilnahme der einheimischen Bevölkerung beendet war, machten wir uns einige Tage später auf den Weg zu unserem Arbeitslager.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in Friday Harbor, passten wir ein gutes Wetterfenster ab, um die, bei den meisten Amerikanern berüchtigte Juan De Fuca Strait zu überqueren.



Port Townsend und unsere immer wiederkehrenden Unterhaltsarbeiten

In Port Townsend angekommen, hissten wir unseren neuen Clubstander. Seit einigen Tagen sind wir Mitglied im Segelclub „West Sound Corinthian Yacht Club“. Was das soll? Na ja … es spart uns etliche Dollars ein. Als Mitglied können wir nun in ca. 50 verschiedenen Yachtclubs mindestens eine, teilweise auch zwei Nächte gratis liegen. Folgenächte kosten dann nur 50 Cent per Fuss, was hier in Nordamerika natürlich ausgesprochen günstig ist.
Da wir diesen Sommer bekanntlich ja nur einen ausgedehnteren „Ferientörn“ in der Region geplant haben, hoffen wir doch, dass wir das Gastrecht in den verschiedensten Yachtclubs einholen können. In Friday Harbor und nun hier in Port Townsend hatte es jedenfalls schon gut funktioniert.

Unsere Ankunft in
Port Townsend.
MOMO kommt aus dem Wasser und bietet ...

... einen wirklich nicht
gerade schönen Anblick.

... nach 3 Jahren, voll behangen mit Bewuchs.

Klein MOMO neben den grossen Pötten. Zwei Tage lang war nun
Schleifen angesagt ...
... und zwar in jeder
möglichen Position.

Geschafft ... im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt muss zuerst noch geprimert werden.

So standen wir nun also mit unserer MOMO an Land. Inmitten der Hochseefischerboote schaute sie aber doch sehr, sehr klein aus. Links und rechts standen die Boote, alle so um die 30 bis 40 Meter lang und unendlich hoch. Zuerst wurden wir von den Fischern, welche auch selber an den Booten arbeiteten, ein wenig mitleidig belächelt. „Was wollen denn diese Yachties hier bei uns taffen Burschen?“ konnten wir direkt aus ihren Gedanken herauslesen.
Dies änderte sich dann aber schlagartig, als sie sahen, dass niemand kam, um unsere Unterhaltsarbeiten zu erledigen. Dass wir, und vor allem natürlich Yvonne, sich in die Überkleider stürzten und dann selber begannen mit schleifen, spachteln, primern, streichen, rollern, usw. usw., beeindruckte sie anscheinend doch ein wenig.
Nun waren wir urplötzlich auch für sie interessant geworden. Es ergaben sich, natürlich nur zwischendurch, denn alle hatten eine arbeitsintensive Zeit, recht interessante Gespräche.
Dass wir mit unserer MOMO schon so viele Meilen und dies natürlich erst noch freiwillig, auf dem offenen Meer zurückgelegt hatten, war für sie teilweise nur sehr schwer zu verstehen. Sie jedenfalls würden dies nie machen, die ewige Schaukelei während ihrer Arbeit, genüge ihnen vollkommen und überhaupt, das Ganze sei ja viel zu gefährlich.

Zuerst hatte ich grosse Bedenken wegen dem Wetter. Dies war ja auch der Grund gewesen, dass wir vor einem Jahr in British Columbia kein neues Antifouling auftragen konnten. Damals gab es nicht 2-3 Tage ohne Regen. Jetzt wurden wir mit Sonnenschein verwöhnt und alles verlief nach Plan.

Yvonne, so kannst du
doch nicht arbeiten ...

... mit der Skibrille geht es bestimmt besser. Die anstrengende Arbeit unter dem Boot.

Yvonne schlägt sich tapfer und macht es perfekt.
Ist dies nicht die ideale Reklame für "Carrera"? Fertig, das war's wieder einmal mehr. Das MOMOteam vor
seinem Werk.

Unser Erinnerungsfoto an
Port Townsend 2009.

Da in den USA „unser“ bisheriges Aluminiumantifouling nicht verkauft, oder eingeführt werden durfte, mussten wir das alte komplett wegschleifen und dann mit einem neuen Aufbau beginnen.
Die zwei langen Tage schleifen, in den verschiedensten möglichen und unmöglichen Positionen, waren mühsam, doch wir haben auch dies überstanden. Yvonne übernahm, wohlverstanden freiwillig, die extrem beschwerliche Anstreicherei zwischen den Kielen, unter dem Boot. Sie hatte erbarmen mit meiner seit letzten Herbst lädierten Schulter und dem alten Rücken.

Yvonne am kontrollieren
der gesamten Kette ...
... und am putzen der Markierungen, um dann ... ... diese defekten Ketten- glieder zu finden.

Der Propeller bekommt
ein neues Antifouling.
Die Winschen werden durchgecheckt ... ... und die Cockpitgrätting erhält neues Teakoil.

Die Amerikaner fliegen auf den Mond und sind technisch der restlichen Welt um einiges voraus. Gute Handwerker aber, sind hier in Nordamerika eine absolute Mangelware. Als kleines Beispiel möchte ich hier nur folgendes Müsterchen weitergeben.

Unser, aus Deutschland eingeflogener neuer Propellerschaft, musste ein wenig gekürzt und auf der Motorenseite um 2 mm abgedreht werden. Den ausgebauten alten Schaft und den neuen brachte ich zusammen zu einem Spezialgeschäft. Somit hatten sie dort das defekte Original und konnten die Masse nur noch auf den neuen Schaft übertragen. Eigentlich eine einfache Aufgabe, sollte man meinen.
Geliefert wurde mir jedoch folgendes: der neue Schaft war um 5 mm zu kurz und an Stelle von 2 mm wurden nur 1 mm abgedreht. Erst im zweiten Anlauf, stimmte dann der Durchmesser beim abgedrehten Teil und die 5 mm, welche sie zuviel abgeschnitten hatten, lagen gerade noch in der Toleranz zwischen unserem Leinencutter und dem Propeller.

Propellerschafttransport.

Die Port Townsend Boat Haven Marina können wir absolut weiter empfehlen. Der gesamte Service war sehr professionell und die Infrastruktur liess nichts zu wünschen übrig. Bei der Bezahlung, am Schluss unseres Aufenthaltes, wurde nicht auf jedem Cent rumgehackt. Auf der Schlussabrechnung wurden uns sogar die Stromkosten erlassen und auch sonst zeigte sich die Marinaverwaltung von der generöseren Seite.

Nachdem unsere MOMO wieder zurück in ihrem Element war, konnten wir unsere Reise „Round Vancouver Island“ starten.
Zuerst wollen wir nun aber unbedingt nochmals nach Sidney segeln, um uns dort von unseren kanadischen Freunden zu verabschieden.